Der Widerspruchsbeweis wurde ursprünglich verwendet, um die
Irrationalität von Zahlen wie Wurzel aus 2, Wurzel aus 3 und so
weiter zu beweisen. Platon berichtet im "Theaitetos", dass die
Mathematiker die Irrationalität dieser Zahlen bis hin zu Wurzel 17
bewiesen hätten. Allerdings überliefert er nicht, wie sie das
gemacht haben, noch, warum sie ausgerechnet bei Wurzel 17 aufgehört
haben.
In seiner "Metaphysik" gibt Aristoteles einen Beweis für die
Irrationalität von Wurzel 2, der seither klassisch geworden ist.
Angenommen, Wurzel 2 sei rational, also als Quotient zweier
natürlicher Zahlen ausdrückbar: Wurzel 2 = a / b, wobei a und b
teilerfremd sind (gekürzter Bruch). Multipliziert man diese
Gleichung mit b, so erhält man b * Wurzel 2 = a. Quadriert ergibt
das 2b2 = a2. Also ist a2 und damit a eine gerade Zahl:
Es gibt eine natürlich Zahl p mit der Eigenschaft a = 2p. Eingesetzt
liefert das 2b2 = a2 = (2p)2 = 4p2 und damit b2 =
2p2. Das bedeutet aber, dass b benfalls gerade ist. Somit hat
man gezeigt, dass a und b beide gerade sind; folglich sind sie nicht
teilerfremd. Also führt die Annahme, Wurzel 2 sei rational, zu einem
Widerspruch, weshalb sie verworfen werden muss.
Spektrum der Wissenschaft SPEZIAL-ND 1/2003